Wettbewerb 2025/26

„Stoff.Wechsel: Hand.Werk.Stadt – Die neue Tuchfabrik“

Im Rahmen des Urban Mining Student Award 2025/26 suchen wir kreative Visionen für eine nachhaltige und zukunftsweisende Umnutzung der Tuchfabrik Hardt & Pocorny in Radevormwald – einem historischen Fabrikareal mit großem städtebaulichem Potenzial. Die diesjährige Aufgabenstellung verbindet generationenübergreifendes Wohnen, gewerbliche Nutzungen und die Integration einer Ausbildungsstelle für Handwerksberufe. Damit soll ein Ort entstehen, an dem Wohnen und Arbeiten in unmittelbarer Nachbarschaft stattfinden und neue Impulse für eine Renaissance des Handwerks gesetzt werden. Ziel ist es, ein tragfähiges Nutzungskonzept zu entwickeln, das ökologische, soziale und ökonomische Aspekte in einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept vereint. Gesucht werden innovative Ideen zur kreislaufgerechten Transformation und Vitalisierung des Bestands – mit Blick auf Ressourcenschonung, städtische Nachverdichtung und soziale Durchmischung.

Preise

1. Preis: „Kette.Schuss.Knoten" – Katharina Frescher und Julius Gasper

(Hochschule Trier)

Den ersten Platz und damit das Preisgeld von 1.500 Euro sicherte sich der Entwurf „Kette.Schuss.Knoten". Die Jury würdigte den Beitrag als „herausragend" in seiner konzeptionellen Stringenz, konstruktiven Präzision und räumlichen Qualität: Der Bestand der ehemaligen Tuchfabrik wird hier nicht nur weitergenutzt, sondern in eine neue räumliche und konstruktive Ordnung überführt. Das Leitmotiv der Webkunst – Kette, Schuss, Knoten – übersetzt das Team in ein architektonisches Prinzip, das die lineare Struktur der Fabrik zu einem urbanen Gefüge weiterdenkt. Hervorgehoben wurde neben dem Einsatz vorhandener Bahnschienen als tragende Bauelemente, der nahezu utopisch hohe Anteil wiederverwendeter Bauteile.

2. Preis: „Der blaue Faden" – Viktoria Berger und Lukas Dauenheimer

(Bergische Universität Wuppertal)

„Der blaue Faden" überzeugte durch eine respektvolle, minimalinvasive Weiterentwicklung des Bestandes. Die Verfasser*innen setzten sich eingehend mit dem historischen Ensemble auseinander und zogen für die zeichnerische Rekonstruktion zeitgenössische Fachliteratur zu Rate. Städtebaulich wie klimatisch klug ist die Idee, den historischen Wasserlauf wieder offen zu legen und dem Konzept Schwammstadt folgend mit Retentionsflächen, Zisternen und Regenwassernutzung auf Starkregenereignisse zu reagieren. Die Grundrisse sind klar gegliedert und von sehr hoher Raumqualität die Herkunft wiederzuverwendender Materialien wird plausibel nachgewiesen, detailliert wird im klaren Urban-Mining-Design.

2. Preis: „Community Bridges" – Mona Weish und Noah Sattler

(Bergische Universität Wuppertal)

Ebenfalls mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurde „Community Bridges". Der Entwurf bietet eine ausnahmslos barrierefreie Lösung für die örtliche Höhensituation, indem mehrere Brücken die unterschiedlichen Ebenen des Geländes und der Gebäude miteinander verknüpfen. Ein echtes „Universal Design“ für gelebte Gemeinschaft entsteht. Schlüssig wird am zentralen Erschließungsknotenpunkt ein kulturelles Zentrum verortet. Konsequent durchdacht ist das Re-Use-Konzept, bei dem die vorhandenen Eisenbahnschienen sowohl in der Erschließung als auch im Innenausbau – etwa für verschiebbare Kuben in der multifunktionalen Werkhalle – verbaut werden. Flexible, hoch qualitative Innenräume entstehen in jedem Gebäude. Die Pläne weisen Herkunft, Zustand und Einbauort der Materialien transparent nach. Die Ertüchtigungen erfolgen im Urban Mining Design.

3. Preis: „Wupperpfad" – Jan Heinrichs und Valentin Riede

(Bergische Universität Wuppertal)

Mit dem dritten Preis wurde der Entwurf „Wupperpfad" ausgezeichnet. Die Jury lobte den schonenden Umgang mit dem Bestand und die Aktivierung des gesamten Wupperufer. Mit gezielten, minimalen Eingriffen werden neue räumliche Qualitäten geschaffen, ohne den historischen Charakter zu schwächen. Mögliche Nutzungsänderungen und eine zukünftige Kreislaufführung sind bereits mitgedacht. Das konsequent angewandte Hülle-und-Hof-Prinzip fördert fließende Übergänge zwischen Innen- und Außenraum. Gebäudeteile werden mit entfernt, wenn ein räumlicher Mehrwert entsteht. Der namensgebende Wupperpfad verbindet das Quartier als durchgängiges Element

Anerkennungen

Anerkennung: „Zwischen RAUM" – Laura Schick und Eric Heinz

(Bergische Universität Wuppertal)

Eine Anerkennung sprach die Jury dem Entwurf „Zwischen RAUM" aus. Gewürdigt wurde der städtebauliche Ansatz mit der Aktivierung des Wupperraums und der Ausbildung eines kommunikativen Zentrums als Quartiersbühne. Das Urban-Mining-Konzept basiert auf dem Rückbau der baufälligen Bahnlinie, deren Schienen vielfältigen Re-Use als Tragwerkselemente in Fassaden, Decken und Dach erfahren. Auch das Mobilitätskonzept überzeugt durch seinen realitätsnahen Umgang mit Stellplätzen und Anlieferung; die denkmalgeschützten Fassaden werden behutsam saniert.

Anerkennung: „Kollektives Quartier" – Lisa Rodewald und Marla Korten

(Bergische Universität Wuppertal)

Mit einer weiteren Anerkennung wurde der Entwurf „Kollektives Quartier" bedacht. Die Arbeit überzeugt als solide, konsequent durchgearbeitete Antwort auf die Aufgabe: Wohnen, Handwerk und Grünräume werden in der alten Tuchfabrik zu einem lebendigen Quartier verwoben. Besonders hervorzuheben sind der fein differenzierte Wohnungsmix, die sehr durchdachten Außenräume mit hoher Aufenthaltsqualität sowie das konsequent vor Ort umgesetzte On-Site-Re-Use-Konzept.

Sonderpreis für die beste Einzelidee: „WIEDER:HERGESTELLT“ - Nina Zoe Nevermann, Claudio Schröder und Josephine Petereit

(Münster School of Architecture)

Mit dem Sonderpreis für die beste Einzelidee würdigte der Sponsor einen Entwurfsansatz, der „beispielhaft zeigt, welches räumliche und atmosphärische Potenzial im Bestand der ehemaligen Tuchfabrik Hardt & Pokorny in Radevormwald verborgen liegt“. Der Entwurf versteht die erheblichen Höhenunterschiede des Geländes nicht als Problem, sondern als räumliche Ressource. Die vorgeschlagene großzügige, begrünte Freitreppe entwickelt sich weit über eine reine Erschließungsfunktion hinaus zu einem identitätsstiftenden Stadtraum.

Sonderpreis für die beste inspirierende Atmosphäre: „Badevormwald" – Clara Brandis

(Karlsruher Institut für Technologie)

Der Sonderpreis des Sponsors für die beste inspirierende Atmosphäre ging an „Badevormwald", einen Entwurf, der weniger über spektakuläre Formgesten als über Atmosphäre und räumliche Vorstellung überzeugt. Bereits der Titel formuliert eine neue Identität für den Ort und verbindet Bestand, Landschaft und Nutzung zu einem prägnanten räumlichen Bild. Der Bestand bleibt klar ablesbar, wird jedoch durch gezielte, Urban-Mining-gerechte Eingriffe in ein neues Verhältnis zur Wupper gesetzt – die Wasserkante ist keine als technische Restfläche, sondern ein identitätsstiftender sozialer Raum behandelt. Die Darstellungen vermögen eine besonders inspirierende Atmosphäre zu erzeugen.

Preisgericht

Von links nach rechts:

 

Barbara Zettel,

Redakteurin Detail Verlag

Christine Ruiz Duran,

Projektleiterin Nachhaltiges Bauen,

DGNB Consultant

Sabine Djahanschah,

Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Marc Günnewig,

Geschäftsführer modulorbeat, BUW

Christian Baierl,

Geschäftsführer renaissance AG

Organisation und Moderation:

Annette Hillebrandt,

BUW